Pressemitteilung, Berlin, 17. Januar 2023

Tarifrunde 2023: Gemeinsam die Krise meistern

Deutscher Textil- und Modeindustrie steht im vierten Krisenjahr existenzbedrohende Rezession ins Haus, Energie- und Rohstoffkosten zwingen viele Unternehmen in die Knie – bei Mode wollen die Verbraucher wegen weiter hoher Inflation sparen. Weltmarktführerschaft bei technischen Textilien ist ernsthaft in Gefahr. Die Kostenexplosion macht Gewinne und Eigenkapital zunichte.

Berlin: Mit der höchsten Tarifforderung für die westdeutsche Textil- und Modeindustrie in diesem Jahrtausend lässt die IG Metall jedes Bewusstsein für die Krisensituation der Branche vermissen. Im vierten Krisenjahr in Folge ist eine Forderung nach 8 Prozent mehr Lohn und Gehalt völlig realitätsfern.

Markus Simon, Verhandlungsführer der Arbeitgeber: „Obwohl die IG Metall eine Umfrage veröffentlicht hat, in der 35 Prozent der Beschäftigten von einer schlechten bis sehr schlechten Situation in ihren Unternehmen berichten, schießt sie mit ihrer Tarifforderung über jedes Ziel hinaus. Wie sollen Unternehmen 8 Prozent mehr zahlen, wenn die meisten noch nicht einmal das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht haben, Energie- und Rohstoffkosten auf Rekordniveau, die Geschäftserwartungen niedrig und die Inflationsprognosen hoch sind? So werden wir die Krise nicht gemeinsam meistern.“ Die Forschungsinstitute, einschließlich des gewerkschaftsnahen IMK, rechnen mit einer Rezession im laufenden Jahr.

Die deutsche Textil- und Modeindustrie erwartet ein Schicksalsjahr, in dem sich entscheiden wird, ob werthaltige, hoch qualitative Textilien im Wettbewerb mit globaler Billigware noch eine Chance bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern haben. Laut Branchenstudien steht der europäischen Mode angesichts der hohen Inflation ein schweres Jahr 2023 bevor. Die Auswirkungen der hohen Energiepreise und der Rekord-Inflation werden erst im laufenden Jahr ihre volle Wucht entfalten mit der Folge, dass auch in Deutschland die meisten Verbraucher bei ihren Ausgaben für Mode sparen wollen. Ein Tiefschlag, nachdem die Umsätze für werthaltige deutsche Mode in den Corona-Lockdowns zeitweise um mehr als die Hälfte eingebrochen waren und die Branche gerade begonnen hatte, sich langsam wieder zu erholen.

Noch tiefgreifender ist die Sorge bei den Herstellern von Spezial- und technischen Textilien. Auch hier sind die Umsätze in den zurückliegenden Jahren massiv eingebrochen. Die Preisexplosionen für Energie und Rohstoffe haben jede wirtschaftliche Erholung ausgebremst und die inländische Produktion im vergangenen Jahr deutlich schrumpfen lassen. Dazu kommen immer mehr gesetzliche Auflagen und Bürokratie, die die Unternehmen fesseln und zusätzliche Kostentreiber sind. Die Eigenkapitalreserven der zumeist mittelständischen, oft familiengeführten Unternehmen sind aufgebraucht; die Möglichkeiten, Preissteigerungen am Markt weitergeben zu können, ausgeschöpft. Die Weltmarktführerschaft Deutschlands bei technischen Textilien steht ernsthaft auf dem Spiel. Es droht eine Verlagerung von Produktion aus Deutschland mit irreversiblem Folgen für Lieferketten und Beschäftigte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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